Hartmut Rosa zeigt in seinem Buch ‚Unverfügbarkeit‘ sehr anschaulich, dass die Welt, die wir uns verfügbar machen, eine verstummte ist, mit der es keinen Dialog mehr gibt. Es scheint mir sehr wichtig die Fähigkeit ‚auf dem Wasser gehen zu können‘ zu kultivieren. Hier ein kleiner Impuls als Alltagsnahrung zum Schmunzeln:
Papst Johannes Paul II. und zwei ihn begleitende Kardinäle sind in Castel Gandolfo. Da werden sie gebeten, so schnell wie möglich zum Hubschrauber, der am anderen Ufer des Albano Sees steht, zu kommen.
Papst Johannes Paul II. läuft als Erster zum Ufer und direkt über den See zum Hubschrauber. Ihm folgt der erste Kardinal, der vorsichtig über den See geht. Nun wagt es auch der zweite Kardinal. Er geht zum See und entgeht mit knapper Not dem Ertrinken. Schnell kommt ein Boot und führt auch ihn zum Hubschrauber.Als sie abgehoben haben schimpft der durchnässte Kardinal:
„Da habt ihr mich aber ordentlich hineingelegt“.
Antwortet der erste Kardinal: „Hast du denn nicht gewusst, wo die Steine sind?“
Da fragt der Papst verwundert: „Welche Steine?!“
Ich höre diese Woche ein Hörbuch über die menschliche Fähigkeit zu laufen – über hundertjährige, die Marathons laufen, denn es hat ihnen offensichtlich keiner gesagt, dass man es in so einem Alter nicht mehr tun kann. Es heisst in dem Buch: „Menschen hören nicht auf zu laufen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu laufen.“
Ist es mit dem Glauben an eine gewollte und geliebte Wirklichkeit nicht genauso?
So viele von uns haben aufgehört über das Wasser zu laufen, den sie glauben nicht mehr an eine liebende Gerichtetheit unter der Oberfläche der sichtbaren Welt.
So viele von uns bewegen sich nur noch sehr vorsichtig über die Sicherheiten des erworbenen Wissens und erreichen scheinbar auch so ihr Ziel, das aber zu oft in einer sogenannten ‚entzauberten Welt‘ liegt.
Gibt es aber vielleicht doch den „päpstlichen“ Weg des unbekümmerten Laufens, der als der einzige das Staunen über das eigene Leben nicht verliert?
