Fastenzeit als Unterbrechung

„Die Dummheit kann sich unsichtbar machen, indem sie sehr große Ausmaße annimmt", heißt es bei Bert Brecht. 
Was immer so war, was täglich geschieht, was alle tun und glauben, das legitimiert sich dadurch, dass alle es tun und dass es immer so war. 
So entsteht die Schuld, ohne dass sich jemand schuldig fühlt.
Die Gewöhnung raubt das Gewissen. 
Die biblische Tradition des Fastens versucht dies zu unterbrechen.

Ja, ich bin auch überzeugt, dass die Welt schöner wäre, wenn die Mücken Fett statt Blut saugen würden, doch dann müsste man nicht einmal mit dem eigenen Körper bei der Ernährung bewusst liebevoll umgehen.
Die Mücken würden unsere Masslosigkeit absaugen.
Unsere Verletzungen, die wir mit Essen heilen wollen, wären nur kaschiert.  
Fastenzeit scheint keine Einschränkung, sondern viel mehr eine bewusste Vernetzung in den Mittelpunkt zu stellen:
Vernetzung mit Gott und mit dem Anderen als Unterbrechung einer Gewöhnung an die Selbstzentriertheit des eigenen Ichs.

Das zeigt sich auch in diesen Tagen, wo ein Konflikt in Ukraine entbrannt ist. 
Größenwahnsinn gepaart mit Macht?
Es beschleicht mich das Gefühl, dass überall dort, wo ich mich selbst auf die besserwisserische Seite schlage, den Anderen im buberischen Sinne nur wie ein "es" für meine Zwecke nutze, dass ich dann zu "putinisierung" der Welt beitrage. 

In der Fastenzeit soll es gehen um: 
1. Bewusste Zeit im Gebet, wo ich mich in einem viel grösseren Zusammenhang erlebe. 
2. Abstinentes Verhalten - nicht nur was die Speisen betrifft -  als Solidarität mit den Anderen. 
3. Werke der Nächstenliebe - aktives Zubewegen auf ein DU. 

40 Tage lang mein ICH mit einem DU teilen - in Beziehung. 
Manche nennen es LIEBE. 
Die Liebe als Dienst am Leben.
Denn ohne die Liebe wird alles pervertiert: 

Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig.
Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Macht ohne Liebe macht grausam.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.  

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..