Tim kommt nach Hause und ruft bereits an der Tür ganz aufgeregt:
- Mama, Papa! Wir hatten heute ein Fussballspiel und ich habe zwei Tore geschossen!
Stellt euch das vor - zwei Tore!
Die Mutter reagiert:
- Tim, das ist fantastisch! Und wie ist es ausgegangen?
- 1 zu 1.
Ich gönne Tim die Freude!
Ist das eine kindliche Naivität?
Oder der fehlende Teamgeist?
Selbstwirksamkeit, der man sich nicht immer bewusst ist?
Überraschung, dass das, was ich mache, zählt?
Egal in welche Richtung?
Ist es ein Unterschied, ob ein Spiel 0:0 oder 1:1 ausgeht?
Wäre es besser zu sagen: trotz zwei Tore habe ich nichts erreicht…?
Darf ich mich über Gelungenes freuen,
auch wenn es meine ‚Mannschaft‘ enttäuscht?
Wer täuscht sich in diesem Fall?
Muss ich mich an dem Sieg/Niederlage-Denken beteiligen?
Vielleicht zeigt sich hier etwas ganz Gesundes:
so wie bei dem Fussballspiel der indigenen Völker in Malaysia - Spiel ohne Verlierer.
Wie der Ethnologe Bruno Mansen berichtet:
„Der Spieler, der ein Tor schießt, wechselt automatisch die Mannschaft.
Dadurch wird das gewinnende Team geschwächt und das verlierende gestärkt.
Es entsteht ein gewisses Gleichgewicht im Torverhältnis.
Die konkreten Mannschaften verlieren dadurch an Bedeutung.
Das Gewinnen/Verlieren tritt dem Spaß am Spiel gegenüber in den Hintergrund.“
In welche Richtung würden wir uns weiter entwickeln, wenn wir so miteinander ‚spielen‘ würden?
Photo by Kampus Production on Pexels.com