„ich habe fertig“

Der kleine Sohn möchte unbedingt Geige spielen lernen. 
Schließlich bekommt er das Instrument und nimmt auch den Unterricht. Tagein, tagaus beschallt der begeisterte Junge mit seinem Knirschen und Gequietsche das ganze Haus.
Eines Tages fragt der Vater seinen eifrigen Sohn:
„Kannst du damit nicht warten, bis du es kannst?“

Wie oft sage ich das Gleiche zu mir selbst?!
Bequemlichkeit durch eine Sehnsucht gestört.

Kann man etwas endgültig können?
Gehen, Fahren, Sprechen und Schreiben - kann man fertig werden?
Ausgelernt?
Es geht doch immer besser, feiner, schöner…
Mit und in allem.

Wann bin ich genug?
Wann kann ich etwas gut genug?

Ist eine Antwort darauf vielleicht nur im Hinblick auf ein Ziel möglich?
Was will ich also?
Wo kommen allerdings meine Sehnsüchte her?

Wie sehr habe ich nur das Wunschdenken meiner Epoche übernommen?
Was ist dabei Weizen und was Spreu?

Frederic Laloux schreibt: „Wenn ein erfolgreiches Leben bedeutet, dass man die Spitze erreicht, dann werden wir unweigerlich ein Gefühl der Leere in unserem Leben erfahren.“

Ich will nicht einmal der Beste werden.
Und ich darf stören.
Durchhaltevermögen scheint die eigentliche Kunst zu sein.

Denn die Melodie meines Morgens,
ist das peinliche ‚Geigengeknarze‘ von heute,
das ich nicht aufgegeben habe.

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