Mein Körper ist mein bester Freund.
Für diese Sichtweise entscheide ich mich.
Er begleitet mich immer, überall und ist bereit mit mir in den Tod und sogar ins Grab zu gehen.
Er kennt mich sehr gut, manchmal besser als ich mich selbst.
Ich habe mich entschieden meinen Körper als meinen besten Freund zu betrachten, denn er redet mir nicht nach dem Mund.
Er spricht mit mir, gibt wichtige Hinweise und manchmal schlägt er Alarm.
Wenn ich mal über meine Grenzen gehe, meldet er sich gleich – sei es ein ungutes Gefühl im Bauch, eine Hautreaktion oder auch mal eine Erkrankung.
Er trägt auch die Spuren meiner seelischen und kognitiven Auseinandersetzungen mit der Welt.
Ja, auch die Narben meiner Seele kann er aufzeigen.
Wie ein Tagebuch sind seine Erinnerungen.
Je älter ich werde, desto mehr gewinne ich das Gefühl für ihn und für seine Sprache.
So verstehe ich auch heutige Aufforderung Jesu zur einer Auszeit, zum Ausruhen.
Eigentlich versuche ich so zu leben, dass ich von meinem Alltag und von meinem Beruf keinen Urlaub brauche.
Die Urlaubszeit nutze ich dann halt eher für eine Fortbildung, für die Menschen, die nicht in meiner Nähe wohnen, für die zeitintensiven Aktivitäten wie zum Beispiel einen langen Zaun zu erneuern oder eine Radtour zu unternehmen.
Eine Auszeit fällt für mich eher in die Kategorie eines Tapetenwechsels.
Und doch tun diese Auszeiten der Beziehung mit meinem besten Freund gut.
Wir hören dann noch mehr aufeinander.
Wir verlassen die Routine des Alltags und reflektieren gemeinsam grosse Fragen.
Die heutige Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus spricht genauso eine existenzielle Frage an und verlagert ihre Lösung ausgerechnet in den Körper hinein.
Ich gestehe, es fasziniert mich, wie ein wesentliches Geschehen der Versöhnung eben im Körper statt zu finden hat, ich zitiere:
„Jesus riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder.
Er hob das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in sich zu einem neuen Menschen zu machen.
Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib.
Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.“
Bei der Vorbereitung stellte sich mir, an mich persönlich gerichtete, Frage:
Hast du dir schon je darüber Gedanken gemacht, dass der Friede und die Versöhnung in deinem Körper zu gelingen hat?
Dass es in der Welt, in der du lebst, keinen Frieden und Versöhnung geben kann, wenn du nicht in und mit deinem Körper diesen Weg nicht gehst?
Es beschäftigt mich sehr.
Wenn ich in Streit liege, Groll verspüre, Neid oder Hass ihre Keime in mir treiben, dann geht es mir nicht gut.
Mein Körper meldet es mir zurück.
Mein bester Freund hilft mir durch Resonanzgefühle zu entdecken, worum geht es mir im Leben, was sind meine Sehnsüchte, was will ich so richtig und wirklich?
Ich lerne mit ihm, dass ich einigen, versöhnen und verbinden möchte.
So wie Jesus.
Jesus vereint ‚diejenigen aus der Ferne mit denen in der Nähe‘, dass sind die zwei, die in dem Textausschnitt gemeint sind.
Er vereint die voneinander Entfernten in ihm selbst.
So wird er zum Architekten des Friedens.
So wird seine Botschaft mehr als nur eine schöne Idee.
Ich lerne es erst.
So wie ich erst lerne nicht alles zu essen, was die Nahrungsindustrie meinem Körper zumuten möchte, genauso lerne ich meine innere Welt auch nicht mit allen möglichen Bildern zu vergiften.
Bildern der Rache, der Abwertung, des sich Vergleichens,…
Ich lerne nicht nur ein Reflex meiner Umwelt zu sein.
Ich möchte lernen nicht nur ein Konsument der spaltenden Bilder, sondern ein Architekt der verbindenden Bilder.
Mein Blick auf Jesus hilft mir meine eigene Bedienungsanleitung für die Welt zu entwickeln, in der ich und mein bester Freund leben möchten.
Eine Welt, in der nichts und niemand einfach nur benutzt wird, sondern in der wir in Beziehung treten.
Solange es irgendwo nur um Kampf der Ideen geht, Wettbewerb der sogenannten Experten und ihrer Argumente, ohne dadurch in Beziehung treten zu wollen, benutzen wir nur einander, lassen uns selbst für irgendetwas benutzen, ohne es zu realisieren.
Ich übe das wichtigste Gebot Jesu – ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ – mit meinem Körper ein.
Ich möchte meinen Körper nicht benutzen, geschweige denn ihn ausnutzen.
Denn wo sonst kann ich Liebe, Gespür und Verständnis füreinander, besser tag ein tag aus einüben, als in mir – in und mit meinem Körper?
Wo sonst kann ich diesen dialogischen Umgang besser praktizieren als auf der ersten Stelle mit meinem Körper?
Ich beginnen vielleicht zu ahnen, warum es für Jesus so wichtig war die Menschen zu heilen, ihre Körper zu heilen – ich komme hier auf die Spur einer ganz neuen Dimension – damit die Leute Beziehung mit eigenem Körper anfangen.
Ich hoffe, Sie hören heute aus meinen Worten keine Selbstverliebtheit heraus, keinen billigen Körperkult.
Ich entdecke für mich immer mehr, warum Jesus nicht nur ein Lehrer einer schönen Idee war, sondern auch richtig körperlich gelitten hat.
Es reicht nicht die Versöhnung und den Frieden nur zu denken.
Wenn wir zur Kommunion – als Gemeinschaft – eine Hostie empfangen, dann heisst es weder „Die Liebe Christi“ noch „Der Friede Christi“ – sondern „Der Leib Christi“.
Denn die grosse Versöhnung in der grossen Welt, so verstehe ich es heute, beginnt in meinem kleinen Körper.
Und ich kann mir vorstellen, dass es dann Auswirkungen auch auf meinen Umgang mit meinen Mitmenschen, mit meinem Umfeld haben wird.
Darauf vertraue ich.
Predigttext Eph 2,13-17
13 Jetzt seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart,
in Christus Jesus,
nämlich durch sein Blut,
in die Nähe gekommen.
14 Denn er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile – Juden und Heiden –
und riss die trennende Wand der Feindschaft
in seinem Fleisch nieder.
15 Er hob das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen auf,
um die zwei
in sich zu einem neuen Menschen zu machen.
Er stiftete Frieden
16 und versöhnte die beiden
durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib.
Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.
17 Er kam und verkündete den Frieden:
euch, den Fernen,
und Frieden den Nahen.
