Ein Farmer in einem der mittelamerikanischen Staaten war immer wieder damit konfrontiert, dass die frei laufenden Hunde seines Nachbarn seine Schafe bissen.
Solche Probleme führen meistens zu Konfrontationen, Drohungen, Stacheldrahtzäunen und irgendwann zu Selbstschussanlagen.
Dieser Farmer hatte aber eine bessere Idee:
Er schenkte den Kindern des Nachbarn ein paar süße Lämmchen als Haustiere.
Es kam zu einer win-win-Situation: Den niedlichen Spielgenossen ihrer eigenen Kinder zuliebe banden die Nachbarn nun freiwillig ihre Hunde an, und die Familien befreundeten sich.
Schön, dass Sie heute wieder reinhören in den Podcast! Wie geht es Ihnen in diesen letzten Tagen vor Weihnachten? Angestrengt oder schön?
Gibt es in Ihnen einen Teil, der daran glauben könnte oder zumindest daran glauben möchte, dass es im Leben win-win-Situationen geben kann?
Win-win – im Sinne der Lösungen, die für alle Parteien ein Gewinn bedeuten?
An Weihnachten – so heisst es – wird uns ein Lamm geschenkt – so wird Jesus auch dargestellt. Ein Lämmchen, ein Kindlein.
Könnte es sein, dass wenn wir uns in diese Vorstellung von einem zarten Gott verlieben, dass es eine Win-win-Situation für alle werden könnte?
Es heisst, dass die Eltern ein Kind zeugen. Doch alle Eltern, glaube ich, würden bestätigen, dass es so in beide Richtungen funktioniert.
Ein Kind erschafft seine Eltern.
Eltern sind noch keine Eltern, bis sie sich in das Lächeln ihres Kindes verliebt haben. Es reicht die Freude auf dem Gesicht einer Mutter oder eines Vaters zu beobachten, wenn ihr Kind zum ersten Mal Mama oder Papa sagt!
In so einem Moment verdichtet sich das ganze Universum in diesem einem Augenblick des Lächelns und man spürt, dass alles andere als diese Freude aneinander nur eine Zeitverschwendung ist.
In dieser Resonanz kommt alles zusammen, alle Geheimnisse des Lebens, alle Fragen und Zweifel werden still. Singen wir vielleicht deswegen Stille Nacht, heilige Nacht?
Wenn ich von Gott in Jesus rede, erwarte ich gar nicht, dass alle es so glauben sollen wie ich.
Ich biete viel mehr mir heilig gewordene Bilder an, damit ein Resonanzraum entstehen kann.
Damit mein Gegenüber aufgrund seiner Erfahrungen, seiner Bilderwelt in sich diese Bewusstheit für das Sein, für die Kostbarkeit des Lebens spürt.
Ich bin überzeugt, dass Gott sich jedem in den Bildern zeigt, denen der Mensch gelernt hat zu vertrauen.
Demnach könnte die Botschaft auch heissen: Gott macht sich klein. Wie ein Lämmchen. Wie ein Kind.
Sie hören einen Gedankenimpuls von Pfarrer Peter Pristas aus der Pfarrgruppe Überwald.
…Musik…
Wir feiern an Weihnachten die grosse Geschichte der Menschheit, in der wir Gott in einem Kind neu entdecken.
Die Grundlage einer authentischen christlichen Spiritualität ist nie Angst, sondern Freude.
Nicht Gleichgültigkeit, sondern Liebe.
Was gibt Ihnen die Kraft trotz aller Probleme die Liebe und die Freude nicht aufzugeben?
Mir hilft unter anderem auch die Vorstellung, dass hinter all der zarten Schönheit des Seins um mich herum, so etwas wie Begeisterung Gottes für das Leben steht.
Und wenn ich den Glauben an eine Gottes Begeisterung für das Leben zulasse, dann staune ich.
Staune in Ekstase über jede Blume, jedes grüne Blatt, Sonnenaufgang und Sturm. Ich erlebe mich als Teil von all dem.
Gott ist nicht mehr da draussen, da drüben, sondern ganz nah, in meinem Inneren.
Bei dem Franziskaner Richard Rohr habe ich folgendes Beispiel gelesen:
„Haben Sie sich je Gedanken über Ihren Hund gemacht?
Hunde bremsen die Ekstase nicht aus. Wir Menschen sind es irgendwann leid, dass unser Hund immer zur Begrüssung an uns hochspringt und uns ableckt – der Hund niemals.
Er hat reine, unverfälschte, faszinierte Freude daran, ein Hund zu sein.
Und die meisten Hunde legen sich eines Tages einfach hin und sterben.
Kein Drama. Der Hund stellt die Realität nicht in Frage.
Er macht sich keine existenziellen Sorgen, er schlägt nicht mit den Pfoten auf den Boden und fragt: „Warum bin ich keine Schildkröte, die leben viel länger?“
Offenbar gefällt es Hunden, Hunde zu sein, und Bienen tun gern das, was Bienen eben so tun.
Spotdrossel oder Schuhschnabel scheren sich nicht darum, welchen Namen wir ihnen geben.
Alle Dinge scheinen Gott die Ehre zu geben, einfach indem sie sind, was sie sind.“
Wir Menschen scheinen in der Lage zu sein, Nein zu uns selber zu sagen und dadurch zu allem anderen auch.
Zerstörung und Ausbeutung der Natur ist ein Zeichen dafür.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass wenn wir die Natur aus Angst um unsere Zukunft retten wollen – werden wir es nicht schaffen.
Es scheint mir nur einen einzigen Weg zu geben – dass wir uns in das Leben in all seinen Formen so richtig verlieben, so wie in ein Lächeln des Kindes.
…Musik…
Ich will mich in das Leben in all seinen Formen so richtig verlieben, so wie in ein Lächeln des Kindes.
In dieser Logik möchte ich auch einen vielleicht gewagten Gedanken im Bezug auf die Pandemie äussern.
Es erschüttert mich täglich zu lesen und mittlerweile auch persönlich zu erleben, wie Menschen an den Folgen der Ansteckung mit dem Virus leiden und manche sogar sterben. Ich versuche auch vorzubeugen und zu schützen.
Es macht für mich aber einen großen Unterschied zu glauben, dass meine Aussenwelt nicht „böse“ ist, dass nicht einmal der Virus Covid 19 böse ist. So wie schon eine Vielzahl von Viren im Laufe der letzten Jahrtausende in unsere Genen integriert worden ist, so könnte vermenschlicht gesagt, auch dieser Virus vielleicht nur die Nähe suchen.
Ich spreche jetzt in Metaphern, die meiner inneren Einstellung helfen, ohne die Ernsthaftigkeit der Lage klein reden zu wollen:
Ich möchte diesen Virus als eine Art des Seins betrachten, die sich nicht nach Kampf, sondern nach Kontakt und Annahme sehnt.
Ich selbst möchte von den Anderen gesehen und erkannt werden, und doch verletze ich sie immer wieder. Nicht in böser Absicht, doch durch mein Anderssein.
Ich missdeute manchmal die Annäherungsversuche, gut gemeinte Worte halte ich für einen Angriff.
Ich glaube, dass die Annäherung auch mit Covid 19 mir eher gelingt, wenn ich ihm bei aller gebotenen Vorsicht, gute Gründe unterstelle. Ich will den feinen Weg suchen, der uns letztendlich ermöglicht – der Menschheit und den Viren – miteinander gut leben zu können.
Darf ich sehr leise und in aller Demut flüstern?
Flüstern, dass ich an Weihnachten lernen möchte die Verletzlichkeit des Menschen als auch die Verletzlichkeit des kleinen Virus umarmen zu können?
Wäre es vertretbar, wenn ich dem Virus unterstelle, dass er uns sogar für etwas gut sein könnte, unsere Gene stärker machen würde, uns vielleicht sogar vor etwas schützen könnte, wovon wir noch nichts ahnen?
Wenn so ein Gedanke aber nicht vertretbar sein sollte, weil das Leid einfach zu groß dafür ist, welchen anderen Weg gäbe es, wenn ich aus der Logik Angriff versus Verteidigung, Böses gegen Gutes aussteigen möchte?
Gibt es dann überhaupt einen Weg angstfrei leben zu können?
Grosse Mystiker gehen davon aus, dass wenn wir der Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber widerstehen und uns so richtig auf Gott und auf die Welt in Liebe einlassen, dass wir dann den Lauf der Welt beeinflussen können.
Die Welt, das Leben, Gott scheinen so zu werden, wie sehr wir uns auf sie einlassen und uns in sie, in ihn verlieben. Wie in ein Lächeln des Kindes.
Wäre dies ein Weg aus der Angst heraus?
Können Sie sich vorstellen, es noch einmal zu wagen, sich so richtig zu verlieben?
In alles, was lebt?
Im Namen aller, die an diesem Podcast mitgewirkt haben wünsche ich Ihnen trotz aller Einschränkungen Dankbarkeit für die Zärtlichkeit des Lebens.
