Eintrag im Tagebuch an meinem 30. Geburtstag.
Gerade unverhofft in einem vergilbten Notizbuch entdeckt:
„Bisher konnte ich es nicht benennen, doch heute habe ich eine Anekdote gelesen, die genau mein Lebensgefühl zum Ausdruck bringt:
Ein großer Mann zu einem kleinen Jungen, der im Kino hinter ihm sitzt:
– Kannst du die Leinwand sehen, Kleiner?
– Nein.
– Macht nichts. Blick nur auf mich und lache jedesmal, wenn ich lache.
Ich fühle mich, als könnte ich nicht sehen, worum es im Leben geht, lebe nur im Schauen auf die Anderen, mache beim Lachen mit ohne die Pointe zu kennen.“
Ich fühle es heute nicht mehr so.
Ich lache/weine/sorge mich zwar noch hin und wieder, wenn ich es bei den Anderen sehe.
Doch etwas Wesentliches hat sich verändert – ich bin kein Opfer mehr.
Ich fühle mich nicht „einem großen Mann/meinem Sitzplatz/Konventionen“ ausgeliefert.
Wenn mich die Leinwand interessiert, dann ändere ich etwas.
„Kannst du die Leinwand sehen, Kleiner?“ – verstehe ich zunehmend als Kommunikationsangebot.
Ich muss nicht schlagartig passend antworten und trotzdem stimmt die Gesamtrichtung und meine Reaktion fühlt sich wie folgend an:
„Ich bin mir sicher, dass wenn ich Sie darum bitten würde, dann würden Sie es auch umsonst tun, dennoch lassen Sie mich bitte Ihnen Bier und Popcorn bezahlen als Dank dafür, dass wir die Plätze tauschen…“
Das Leben spricht mit mir. Es kommen täglich neue Vorschläge mein Leben interessanter zu gestalten. Im ersten Moment fühlen sie sich oft als Last, als Hindernis an. Wenn ich mich auf sie aber einlasse, kann ich sie im Nachhinein als wohlgemeint, wohltuend und sonst noch welches wohl- deuten.
Keine Angst mehr vor „dem großen Mann“…
