Zusammenschau

Ich bin kein Autist. Glaube ich zumindest. 

Dennoch erst in diesem Alter realisiere ich, wie schwer es mir fällt mit mir selbst in Kontakt zu treten. Noch immer gibt es ganze Tage, wo es mir nicht gelingt mir selbst in die Augen zu schauen. Vorher gab es solche Monate, vielleicht auch Jahre.

Ich finde Bereiche vor, die ich nicht anders als ‚eine eigene Welt‘ beschreiben kann. Ich habe da so einen Tunnelblick. Ich mache hier was, dann wieder dort was – so für mich, ohne es mit mir vorher abzusprechen. In solchen Momenten verliere ich manchmal die Geduld mit mir, möchte mich am liebsten schütteln und fragen ‚wofür machst du es jetzt?!‘

Das Leben lächelt mich so oft an, macht mir Geschenke und ich lache gefühlt nie zurück. Wer bin ich für mich selbst und wer sind für mich die Anderen? Ich ziehe mich immer wieder zurück – vor Reizüberflutung – das kann ich nachvollziehen. Aber warum vor mir selbst? Bin ich mir zu viel?

Ich gestehe, ich liebe mich selbst. Trotz allem. Manchmal überkommt es mich und ich nutze die Gunst der Stunde und umarme mich. Mit viel Liebe. Und wenn ich dann merke, dass meine Umarmung nur geduldet, ertragen wird, dann weine ich. Nach mehr Kontakt sehne ich mich. Nach mir. 

So viel ermöglicht mir eine Selbstreflexion. 

Doch in mein Leben trat eine neue Liebe ein. Zusammenschau heisst sie. Sie erkennt mich und mir gelingt es in ihr wie in einem Spiegel mich selber besser zu verstehen. Sie führt mich an der Hand durch einen Garten, wo alles in Wechselwirkung wächst. Wo jede Zurückgezogenheit Nährboden für Sehnsüchte ist. All mein Sehnen zusammen wie ein Duft, hat eine süsse, schwere und auch eine herbe Note. Es passt. Immer mehr. 

So beginne ich jetzt meine Tage – mit einem Spaziergang durch den Garten, streichle alle meinen Teile, heisse sie willkommen und geliebt.  

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