Häufiger nutze ich dieses Wort als Messerklinge für Unterscheidungen: gut oder schlecht? lebensdienlich oder lebensschädlich? usw.
Ich verstehe aber nicht, wie das Leben entsteht, ich durchschaue nicht sein Wesen. Kann ich dann überhaupt sagen, dass etwas dem Leben dient?
Ich kann sagen: …etwas dient meinem Leben…
Ich kann beobachten, ob etwas meinem biologischen Leben dient – z.B. ob ich mich gut ernähre, so dass meine Fingernägel ordentlich wachsen und mein Bauch eher weniger usw. … also an den direkten Auswirkungen meiner Handlungen kann ich lernen lebensförderlich zu leben….
Doch bereits bei der Beobachtung meiner geistigen Wachstumsprozesse fehlt mir ein Maßstab.
Es kommt auf den Rahmen an, wie gross ich bereit bin den Rahmen zu denken.
Was für heute hilfreich sein mag, kann sich aus der Jahresperspektive als schädlich herausstellen. Was heute ein Unfall, kann in einem Jahr die glückliche Wende in meinem Leben heissen.
Ich kann nicht einmal sagen, was mir gut tut – denn lerne ich hauptsächlich in Widrigkeiten, in ‚Schicksalschlägen‘, die mich herausfordern. Sie zwingen mir einen neuen Blickwinkel auf. Durch sie bekomme ich die Möglichkeit neue Räume zu betreten, für die ich dann meistens so dankbar bin, dass ich nicht mehr bereit bin sie aufzugeben.
Um lebensdienlich zu leben ist es dann funktional alles aus der möglichst langen Perspektive zu denken?
Natürlich muss ich mich dann mit der Frage meiner Sterblichkeit auseinandersetzen. Doch wenn ich mich bemühe alles zusammen zu schauen, als Eins und ein Ganzes zu sehen, dann überdauern meine Taten die Zeit meines irdischen Lebens.
Perspektive scheint mir klar zu sein – lebensdienlich aus der Perspektive des Grossprojekts Leben im Universum.
Es geht irgendwie weniger darum, dass es mir gut geht, sondern, dass ich alles, was mir widerfährt reflektiere, immer wieder in mir möglichst grosse Zusammenhänge setze und nachjustiere, mich bewusst für Bedingungen entscheide, von denen ich mir das weitere Gedeihen erhoffe. Ich als Teil des autopoietischen Projekts Leben. Ich kann das Leben nur als autopoietisch – aus sich selbst heraus sich reproduzierendes System – denken, denn ansonsten würde ich mich ausgeliefert und ohne freien Willen sehen müssen.
Das ist definitiv eine wichtige Stufe – die Entscheidung zu treffen, dass ich der Mitgestalter und Mitverantwortlicher für die Verhältnisse bin, in denen sich mein Leben abspielt. Mein Leben als Teil von einem Grossprojekt.
Etliche haben schon in allen möglichen Variationen die Reflexion als Denken des Denkens (Reflexion in Philosophie bei Wikipedia ist recht interessantes Lesen) gedacht und sie scheint mir etwas zu sein, wo wir uns alle begegnen können – Religionen, Wissenschaften, Künste,… Wo es nicht um konkrete Inhalte geht, sondern um den Umgang mit WIE – wie will ich etwas interpretieren, in welchem Zusammenhang, aus welchem Raum heraus und wahrscheinlich die wichtigste Frage: für welchen Raum?
