Sünde – unterbrochene Kommunikation

Den Begriff Sünde kann man sehr trivial verstehen oder stark reduziert nur mit der Schuld/Unrecht/Gewalt gleichsetzen. 

Biblisch scheint dieser Begriff aber viel umfassender zu sein.

Sünde als Trennung. 

Überall dort, wo das Ganze getrennt wird, wo etwas exkommuniziert wird, entdeckt man diesen Mechanismus.

Wo ich zum Beispiel die Bedürfnisse meines Körpers nicht beachte, mich sozusagen von ihm trenne, spricht die religiöse Sprache über die Sünde. 

Wo ich die Natur ausbeute, mich ihr als überlegen und nicht zugehörig erlebe, heisst es dann die Sünde. 

Genauso im Bezug auf meinen Nächsten und auf die Gesellschaft.

An Jesus mag ich, wie wenig er sich von menschlichem Scheitern schockieren lässt. Mängel, Fehltritte, Versagen – mit all dem kann er liebevoll umgehen. 

Er regt sich nur – das aber konsequent – über Menschen auf, die den Anderen ausschliessen und es für richtig halten. 

Über Menschen, die sich moralisch, intellektuell, herkunftsmässig dem Anderen überlegen fühlen und von ihm distanzieren/trennen. 

Jesu grösstes Gebet – fast 5 Kapitel in Johannes Evangelium – handelt nur über Einssein. „…,dass sie alle eins seien“ – darum bittet er.

In meiner Wahrnehmung haben wir viele Illusionen über uns selber!

Und eine der letzten Illusionen, die sterben sollte (so verstehe ich zumindest das Kreuz), ist die, dass wir „anders oder besser“ als die Anderen seien. 

Am Ende scheinen wir uns alle einander erstaunlich ähnlich zu sein.

So eine spirituelle Erfahrung kann in eine Welt führen, in der nicht die Einheit, sondern Trennung jeglicher Art der Rechtfertigung bedarf.

Ich habe den Eindruck, dass wir immer gute Gründe für eine Trennung finden. Ich rede weder über Scheidungen, noch über Geschäftsabwicklungen. Ich meine all die Momente, wo ich aus der Kommunikation aussteige. Ich rede über verheimlichte Intransparenz.

Wenn mir jemand stolz erklärt, wie strukturiert sein Tagesablauf ist und was für feste Regeln er/sie einhält, dann frage ich mich, inwieweit da Unerwartetes, Lebendiges, Bedürfnisse des Anderen vorkommen dürfen. Wurden die Regeln mit dem Gegenüber kommuniziert, gemeinsam entwickelt, oder hat sich jemand für einen Alleingang entschieden? Was für Auswirkungen hat es auf sein Umfeld?

Wenn sich jemand in einer schweren Wirtschaftslage für einen Selbstmord entscheidet, um zumindest die Angehörigen finanziell abzusichern – kann man es aus seiner/ihrer Sicht als die letzte Liebestat deuten, doch die Tatsache, dass hier eine transparente Kommunikation unterbrochen wurde, kann kein Geld je heilen. 

Überall wo ich nicht von dem Ganzen her denke und handle, wo ich in meine Lösungssuche nicht mein Umfeld mit einbeziehe und einlade, überall dort findet eine Trennung der gröbsten Art statt. In den möglichen Auswirkungen vergleichbar mit dem Tod/Mord für das jeweilige System. (Familie, Ehe, Mitarbeiter, Natur,…) 

Wenn mich jemand fragt, warum ich ein Christ sei, dann antworte ich manchmal: ich bin überzeugt, dass das Wort Fleisch geworden ist, dass die Kommunikation eine Wirklichkeit erzeugt und ich entscheide mich zu glauben, dass die „liebevolle – wohlwollende“ Kommunikation eine geeignetere Welt für das Grossprojekt Leben ermöglicht.

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