10 Wege für mehr Kreativität an guten und schlechten Tagen

Ich weiss nicht mehr wie ich auf das Buch aufmerksam geworden bin. Es musste einer der Tage sein, wo ich mich wieder einmal dabei ertappt habe, das Leben eines ersetzbaren Menschen zu führen. Entweder habe ich konsumiert oder Konsum für Andere hergestellt. Kein einzigartiger Ausdruck meiner Selbst. Alles was ich war und tat, konnte genauso jemand anderes auch machen. Deswegen ersetzbar.
Es war nichts dabei, wo es einen Unterschied für das All machen würde, ob es ausgerechnet mich gibt. Und wenn ich ehrlich bin, mit weniger gebe ich mich nicht mehr zufrieden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet ich im Laufe der Weltgeschichte geboren werde, ist so klein, dass es auf meinen Beitrag entweder überhaupt nicht ankommt oder er ist immens wichtig.
So habe ich mir das stimulierend klingende Buch Gib nicht auf! bestellt.
Gleich der Grundansatz des Buches hat mich angesprochen: „…ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich es lesen musste…“.
Es soll nicht eine Buchrezension werden – viel mehr eine Reflexion meiner Eindrücke und Anregungen, die ich mir aus diesem Buch hole. Ich habe keine Ambitionen eine Kaufberatung oder Buchvorstellung darzulegen. Eher ein paar Gedanken für mein Tagebuch und wenn es sonst noch jemandem da draussen helfen sollte, dann sei es ihm/ihr gegönnt.
Austin Kleon findet einen originellen Weg die Form und den Inhalt zusammenzubringen. Handnotizen, Zeitungsschnipsel, Zeichnungen und Text wirken wie aus einem Guss. Ich spüre regelrecht die Freude, mit der er das alles erfindet.
Seine Vorgehensweise ist mir vertraut – angelehnt an berühmten Zitaten der Menschen – trägt er bewährte Wege zur Kreativität zusammen. An sich nichts bahnbrechend Neues dabei und doch eine Mischung, die mich hineinzieht und begeistert.
Ganz im Sinne der Worte von R. Buckminster Fuller: „Ich weiss nicht, was ich bin. Ich weiss, dass ich keine Gattung bin. Ich bin auch kein Ding – kein Substantiv. Ich scheine ein Verb zu sein, ein evolutionärer Prozess.“
Der Abschnitt „Besuche die Vergangenheit“, dem das folgende Zitat von C.S.Lewis vorangestellt wird, hat mich dennoch überrascht: „Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Standpunkt. Es ist besonders gut darin, bestimmte Wahrheiten zu sehen, und neigt besonders zu bestimmten Fehlern. Wir alle brauchen die Bücher, welche die charakteristischen Fehler unserer Zeit korrigieren. Und das bedeutet: die alten Bücher. Um sicher zu gehen, wären die Bücher der Zukunft eine ebenso gute Möglichkeit zur Korrektur wie die Bücher der Vergangenheit, aber leider können wir nicht an sie gelangen.“
Gleich danach habe ich mir die Gesammelte Werke von Franz Kafka gekauft, um wieder bewusster in seine Sprachbilder einzutauchen.
Ermutigend sind all die Momente im Buch von Kleon, wo ich stark in Resonanz gehe, meine eigenen Erfahrungen bestätigt, geteilt erlebe – wie er z.B. schreibt:
„Ich habe schon vor einer Weile festgestellt, dass zwischen dem, was ich liebe und teile, und der Zahl der Likes, Favorites und Retweets keine allzu belastbare Korrelation besteht. Ich habe oft etwas gepostet, was ich mit Begeisterung gestaltet habe – und dort draußen? Schweigen im Walde. Dann poste ich etwas anderes, was mir persönlich halbwegs lahm vorkommt, was mir superleicht von der Hand ging – und das geht dann viral. Wenn ich in so einem Fall die Zahl der Klicks als Maßstab angelegt hätte, um über das nächste Projekt zu entscheiden, glaube ich kaum, dass ich lange mit Herz bei der Sache geblieben wäre.“
Seit Jahren ist mir klar, dass ich nicht meine Zeit sondern meine Aufmerksamkeit zu managen habe. Fokussiert im Alltag zu bleiben, mich nicht verzetteln zu lassen – das ist der Kampf, den ich führe. Und dem widmet Austin Kleon auch viel Raum in seinem Buch, untermauert mit durchdachten Beobachtungen und Aussagen. Das Zitat von Thomas Merton bringt es auf den Punkt: „Die größte Notwendigkeit unserer Zeit besteht darin, die schiere Menge mentalen und emotionalen Unrats abzuwerfen, der unseren Geist verstopft und aus allem politischen und sozialen Leben eine Massenkrankheit macht. Ohne dieses Großreinemachen können wir nicht klar sehen. Und wenn wir nicht sehen, können wir nicht denken.“
Ja, das Buch hat mir gut getan und seit dem besuche ich auch immer wieder Blog von Austin: www.austinkleon.com
