mein Leben lang bin ich ein katholischer Christ.
verdanke viel in meiner Entwicklung als Mensch dieser Gemeinschaft der Gläubigen.
ich hege für sie tiefe Gefühle.
dennoch erlebe ich immer wieder etwas stumpfsinniges in ihr.
ich konnte es lange nicht benennen.
in den letzten Monaten zeichnet sich in mir der Verdacht ab, dass es mir nicht reicht in einer Gemeinschaft der Gleichgesinnten zu leben.
keine Frage, es ist sehr bequem mit den Leuten zu verkehren, die die gleichen Interessen, gleiche Musik, gleiche Ansichten haben und teilen.
auf die Dauer wird es aber fast langweilig und stumpfsinnig.
ich kann sehr gut verstehen, warum wir das Credo bekennen.
doch so wie ich es in mir wahrnehme, dass ich immer wieder mit irgendwelchem Teil von den zu bekennenden „Wahrheiten“ meine Schwierigkeiten habe, kann ich auch verstehen, dass Andere gar nicht in der Lage sind das Credo zu sprechen.
ich will die Anderen deswegen nicht ausschliessen, will sie in meinem Herzen nicht exkommunizieren.
so wie ich meine störrischen Anteile nicht exkommuniziere.
ich sehne mich in der letzten Zeit viel mehr nach einer Gemeinschaft der Gleichherzigen anstatt der Gleichgesinnten.
menschen, die sich einander nahe fühlen nicht über gleiche Inhalte ihres Glaubens, sondern über die gleiche Weise des Umgangs miteinander.
du musst nicht das gleiche bekennen wie ich und dennoch teilen wir die gleiche Erfahrung der Suche, der Verletzlichkeit und der Hoffnung.
wäre es nicht sogar christlicher, wenn es heisst, dass Gott die Liebe sei, die Kirche als Gemeinschaft der Gleichherzigen zu leben?
