Stoßen Sie mit mir auch heute an? Mit einem Schluck von dem Spiritus einer Anekdote über Nasrudin? Auf den Geist und auf das Leben!
Nasrudin war gleichermaßen für seine Weisheit wie für seine Dummheit bekannt.
„Oh, weiser Nasrudin“, sagte ein Schüler, „Was ist das Geheimnis des Glücks?„
Nasrudin antwortete: „Das Geheimnis des Glücks ist ein gutes Urteilsvermögen“.
„Ahh“ sagte der Schüler, „und wie bekommen wir ein gutes Urteilsvermögen?“
„Durch Erfahrung“ antwortete Nasrudin.
„Ja“, erwiderte der Schüler, „aber wie erlangen wir Erfahrung?“
„Durch schlechtes Urteilsvermögen“.
Weisheit, die weniger an dem „Entweder-Oder-Denken“ als viel mehr an dem „Sowohl-als auch-Denken“ zu erkennen ist.
Die Christen feiern bald Pfingsten – eine Zeit, wo man den be-geisterten Aposteln vorwarf sie seien betrunken, was man der modernen Kirche leider nicht mehr unterstellt.
Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass wir zu nüchtern geworden sind?! Geist-los? Ohne die Geistesgabe der Weisheit?
Nüchtern in der Unterscheidung von gut und böse, nüchtern in dem analytischen Wissen von richtig und falsch – halt „entweder-oder“?
Vielleicht können nur be-geisterte Menschen sehen, was für eine Lebenspräsenz in allen und allem wohnt.
Vielleicht geht es gar nicht darum, irgendjemanden oder irgendetwas schlecht zu machen, sondern um die Freiheit, unvollkommene Dinge zu lieben.
Das wäre, glaube ich zumindest, auch ein sehr gutes Rezept zum Glücklichsein: nicht warten bis irgendetwas oder irgendjemand vollkommen und gut wird, um ihn/sie/es dann zu lieben – sondern sich schon jetzt für die Liebe zu entscheiden.
Hört sich irgendwie wie ein Geplapper eines Betrunkenen an…
